Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Bremen e. V.

Zielnetzplanung für Premiumrouten zerfällt bereits auf dem Papier

Der ADFC Bremen sieht erheblichen Nachbesserungsbedarf.

Der ADFC Bremen begrüßt, dass die Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung (SBMS) mehr als zehn Jahre nach Beschluss des Verkehrsentwicklungsplans (VEP 2025) die Zielnetzplanung für das Bremer Premiumroutennetz konkretisiert. „Das ist ein längst überfälliger, aber wichtiger Schritt.“, stellt Sven Eckert vom ADFC Bremen fest. Und weiter: „Es ist immer besser zu Wissen was und wo man bauen will, bevor man die Bagger anrollen lässt“. Mit der Zielnetzplanung wird zudem das lokale Bremer Premiumroutennetz mit den Routen aus dem regionalen Mobilitätskonzept: Radverkehr (rmk:r) in Übereinstimmung gebracht. „Die Bremer Fahrradrouten werden zukünftig besser an die Umlandgemeinden angebunden. Das ist ein großer Gewinn für viele, denn davon wird der Alltagsradverkehr, die Pendler:innen und auch der Radtourismus profitieren.“, so Eckert.

Umso enttäuschter zeigt sich der ADFC Bremen nun nachdem der aktuelle Sachstand zur Zielnetzplanung der Premiumrouten in der der Deputation für Mobilität, Bau und Stadtentwicklung vorgestellt wurde. Aus Sicht des ADFC muss hier aufgrund gravierender Mängel, Unsicherheiten und Netzlücken erheblich nachgebessert werden.

Da wären zum Beispiel die Weserquerungen, die einen wichtigen Bestandteil des neuen Netzes darstellen. „Ohne diese Querungen wird das Premiumroutennetz erhebliche Lücken aufweisen und daher nicht funktionstüchtig sein.“, stellt Eckert fest. Dabei ist tatsächlich ungewiss, ob die Wesersprünge Mitte und Ost überhaupt jemals realisiert werden. Des Weiteren setzt die Zielnetzplanung darauf, dass der Bund beim Neubau der A27 Brücke über die Lesum und der A1 Brücke über die Weser die Betriebswege der Brücken so herstellt, dass sie auch für den Radverkehr nutzbar sind. Sollte dies nicht der Fall sein, wird das Zielnetz noch lückenhafter. Sven Eckert gibt dazu zu bedenken: „Betriebswege sind keine explizite Radverkehrsinfrastruktur. Vermutlich wird später niemand in Bremen den Bund daran hindern können, diese Wege bei Bedarf, etwa für Wartungsarbeiten an den Brücken, für Tage oder Wochen zu sperren.“

Ebenso bemängelt der ADFC Bremen, dass bereits bestehende Netzlücken in der Zielnetzplanung bisher ausgeklammert und damit nicht ausreichend berücksichtigt wurden. So fordert der ADFC Bremen bereits seit Jahren eine sichere und komfortable Anbindung der Premiumroute 3 an den Wallring. Doch noch immer klafft hier ein Loch im Premiumroutennetz. „Hierfür keine Lösungen zu suchen, halten wir für fahrlässig und sicherheitsgefährdend.“, so Eckert.

Neben alten und neuen Netzlücken kommt hinzu, dass vermutlich ganze Bereiche Bremens nicht an das Premiumroutennetz angeschlossen werden. So war mit dem VEP 2025 eine Premiumroute durch den weitläufigen Bremer Nordosten geplant, um eine attraktive Radverkehrsverbindung zwischen Universität, Neuer Vahr, Sebaldsbrück und Arbergen zu schaffen.

Andererseits sollen einige Straßen und Wege als Premiumroute ausgewiesen werden, deren Premiumroutentauglichkeit stark vom ADFC bezweifelt wird. Eine Premiumroute in der Sankt-Jürgen-Straße zwischen Humboldtstraße und Bismarckstraße ist angesichts der dort vorherrschenden Kfz-Mengen und Rettungsfahrten zum Krankenhaus sowie einer perspektivischen ÖPNV Strecke nicht mit den Anforderungen an eine Premiumroute vereinbar. Gleiches trifft auf die Graf-Moltke-Straße zu. Nach Kenntnis des ADFC ist sie Teil des Lkw-Führungsnetzes und damit für eine Premiumroute gänzlich ungeeignet.

Positiv bewertet der ADFC Bremen hingegen die neue Premiumroute in Bremen Nord. Hier soll zusätzlich zur bereits beschlossenen Route, südlich der Lesum, eine Route durch die Stadtteile nördlich der Lesum verlaufen.

Der ADFC Bremen fordert die Politik und die Verwaltung auf, die Schwachstellen in der weiteren Planung des Zielnetzes umgehend zu beheben, um eine sichere, durchgängige und zukunftsfähige Radinfrastruktur zu schaffen.


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